Wirtschaftssystem

Wie können Wirtschaftssysteme beschrieben werden? Wie können wir ihr Verhalten verstehen und daraus erfolgreiche Strategien ableiten?

Ausgangspunkt eines Verständnisses des Systems Wirtschaft

Die zentrale Frage unseres Wirtschaftssystems betrifft den Begriff Wohlstand. Was ist Wohlstand? Wohlstand wird erreicht durch Produkte und Dienstleistungen, die Menschen das Leben erleichtern und verbessern. Wohlstand hängt also vom aktuellen Produktionsniveau ab. Die Anschlussfrage die sich stellt ist: Wie viel und was sollte produziert werden? Natürlich tragen auch Umweltaspekte zum Wohlstand bei, da niemand seinen materiellen Reichtum ohne die Natur genießen könnte. Daher sollte nachhaltiger Wohlstand die Zielsetzung für das System Wirtschaft sein.

Bezug einzelner (abstrakter) Elemente zum Wohlstand

Geld

Geld entsteht bei der Kreditvergabe durch Banken und stellt einen Anspruch auf zukünftige Leistungen dar. Das erzeugte Kreditgeld kann das Produktionsniveau erhöhen (Investitionen), die Preise für Ge- und Verbrauchsgüter (Konsum) oder für Vermögensgüter (Spekulation) steigern. Geld kann auch durch Krisen (preislicher Rückgang von Vermögenswerten), Kriege (Zerstörung von Vermögenswerten) oder Enteignungen (Zerstörung von Vermögensansprüchen) vernichtet werden.
Menschen sollten sich fragen wofür Geld erzeugt wird (Spekulation?) und warum Banken ein Monopol auf die Geldschöpfung haben dürfen, zumal Geld das wichtigste Medium zur Kommunikation von Knappheit ist.

Schulden

Wenn Geld erzeugt wird steigen sowohl Schulden als auch Vermögen an. Die Qualität und Quantität von Schulden eines Landes beeinflussen das Verhalten einflussreicher Akteure und sind somit indirekt für das Verhältnis zwischen (Arbeits-)Zeit und Konsumanspruch der Menschen dieses Landes von Bedeutung. Durch Investitionen in die Steigerung der Produktivität lässt sich mit geringerer Arbeitszeit ein höherer Konsum verwirklichen. In manchen Branchen haben aber Unternehmen das Interesse, aus Kostengründen, die Knappheit an Arbeitsplätzen aufrechtzuerhalten, was dem entgegenwirkt. Obwohl die Unternehmen von einem höherem Konsum und einer Vollbeschäftigung profitieren würden, fürchten sie vor allem eine staatliche Einmischung in ihre Geschäfte und eine zu selbstbewusste Arbeitnehmerschaft.
In einer Schuldenkrise bedeutet die Reduktion von Schulden letzendlich auch die Reduktion von Vermögen. (siehe Geld-Abschnitt)
Die entscheidende Frage ist wessen Vermögen reduziert werden soll und auf welche Art und Weise.
Einkommen können dabei sofort konsumiert oder gespart werden. Durch eine Sparentscheidung entstehen Zinsen, die einen Konsumanspruch in der Zukunft ermöglichen. Dadurch wird eine Anhäufung von Konsumansprüchen möglich (Entstehung des Zinseszins), die einen zukünftigen Wachstumszwang auslösen kann. Der Wohlstand einer Gesellschaft hängt dabei nicht direkt vom Schuldenstand, sondern vom aktuellen und zukünftigen Produktionsniveau ab. Ökologische Nachhaltigkeit darf nicht mit ökonomischer verwechselt werden, da Geld keine von Natur aus knappe Ressource ist. Da Wirtschaftswachstum seinen Energiebedarf aus dem System Umwelt deckt und Abfall (Emissionen) hinterlässt, liegt hier ein Zielkonflikt vor.
Die eigentliche Frage ist welche der erstellten Leistungen wirklich gebraucht werden und welche nicht.

Nachfrage und Angebot

Die Nachfrage berücksichtigt nur die Bedürfnisse, für die eine Zahlungsbereitschaft existiert. Mittels Prognosen projizieren Unternehmen die momentane Nachfrage in die Zukunft (Die Wirtschaft lässt als dynamisches System keine seriösen Prognosen zu). Um die Aufteilung der produzierten Güter entbrennt ein Wettbewerb, der sich nach dem Prinzip der rivalisierenden Imitation vollzieht (Trendsetter und Mitläufer bilden sich heraus). Unternehmen setzen Vertriebs- und Marketingmaßnahmen ein, um Bedürfnisse nach identitätsstiftenden Gütern zu erzeugen (z.B. über das Priming) und die Abnahme ihrer Produkte sicherzustellen. Konsumenten können dabei nicht die wahre Qualität der Produkte erkennen (Es gibt z.B. keine Möglichkeit ökologische und soziale Kosten zu erfassen und Produkten zuzurechenen).
Doch wie können wir unsere wahren Bedürfnisse entdecken, ohne uns von der Wirtschaft beeinflussen zu lassen?

Kostenrechnung

Der Kostenrechnung kommt eine wichtige Aufgabe bei der Kontrolle der Nachhaltigkeit zu. Sie legt fest, in welchen Bereichen die Kommunikation von Knappheit ansetzt und bietet daher großes Potential Veränderungen anzustoßen.
Es sind neue innovative Kostenrechnungsmodelle notwendig, die das Erfassen von Externalitäten ermöglichen.


Verantwortlich: Ioannis Alexiadis


Prognosen   Dynamik  


Literatur:

Arnsperger, Christian; Varoufakis, Yanis: What Is Neoclassical Economics? The three axioms responsible for its theoretical oeuvre, practical irrelevance and, thus, discursive power. Panoeconomicus 53.1, S. 5-18, 2006.

Baecker, Dirk: Wirtschaftssoziologie. transcript Verlag, 2015.

Berg, Matthew; Hartley, Brian; Richters, Oliver: Stock-Flow Consistent Input–Output Models as a Bridge Between Post-Keynesian and Ecological Economics. FMM conference, 2015.

Graeber, David: Schulden: die ersten 5000 Jahre. Klett-Cotta, 2012.

Kalecki, Michal: Political Aspects of Full Employment. The Political Quarterly 14.4, S. 322-330, 1943.

Wenzlaff, Ferdinand; Kimmich, Christian; Richters, Oliver: Theoretische Zugänge eines Wachstumszwangs in der Geldwirtschaft; Discussion Papers, Zentrum für Ökonomische und Soziologische Studien, Nr. 45, 2014.

Werner, Richard A: A lost century in economics: Three theories of banking and the conclusive evidence. International Review of Financial Analysis, 2015.