Gesellschaftliche Ziele von Bildung

Welche Kompetenzen sollen im Bildungsprozes vermittelt werden?

Soziale Fähigkeiten

Offenheit und Kommunikationsfähigkeit sind die Grundvoraussetzungen um im Leben erfolgreich und glücklich zu werden. Sie helfen beim Knüpfen von sozialen Kontakten und hängen auch mit positiven (Schul-)Erfahrungen zusammen, die das Selbstbewusstsein des Individuums fördern. Voraussetzung ist eine gute Artikulation der eigenen Gedanken.

Historische Bildung

Nicht nur das Wissen um die wichtigsten Ereignisse ist notwendig, sondern auch das Verständnis historischer Prozesse. Ereignisse haben stattgefunden und lassen Entwicklungslinien bis tief in die Vergangenheit erkennen. Der Versuch das „ganze Bild“ zu zeigen verhindert ein plakatives Verständnis der Weltgeschichte und die Konzentration auf bestimmte Teile dieser.

Fähigkeit zur Selbstorganisation

Nicht die Abarbeitung eines Lehrplans steht im Vordergrund, sondern die Weckung von Neugier und die Vermittlung von Selbstmotivation und der Fähigkeit Themen eigenständig zu erarbeiten. Der Mut des Schülers soll gestärkt werden eingetretene Pfade zu verlassen und eigene Ideen zu entwickeln.

Abstraktionsvermögen

Viele Dinge sind schwer zu greifen und Problemlösungen nur im abstrakten Raum vorhanden und zwar nicht nur in Naturwissenschaft und Technik.

Motorische Fertigkeiten

Motorische Fertigkeiten werden immer gefragt sein, sei es im Umgang mit Technik oder in Bezug auf Sport.

Parameter gelungener Bildung

Wie sollte man Bildungserfolg definieren? Welche Ziele verfolgt unsere Gesellschaft mit Bildung?

Pluralität

Historisch betrachtet haben sich die modernen Bildungssysteme während der Industrialisierung herausgebildet und haben heute noch viele Eigenschaften aus ihrer Entstehungszeit beibehalten. Eine große Masse an Menschen erhielt die gleiche, standardisierte und kontextfreie Ausbildung, die für die Flexibilität bei der Arbeit erforderlich war. Autoritäre und Totalitäre Systeme bedienten sich zwecks Indoktrination dieser Grundlage. Heutige Schulen sind aber immer noch auf Anpassungsfähigkeit fixiert. Die Schüler werden belohnt, die sich am besten an die Vorgaben halten. Demgegenüber steht das Bildungsprinzip der Pluralität. Denkschablonen entstehen aufgrund mangelnder Pluralität. Pluralität dient als antifragiles Element gegenüber ideologischer Dominanz. Dies spiegelt sich nicht nur in den vermittelten Inhalten, sondern auch in der verwendeten Sprache wider.
Wissen ist stets in die historisch gewachsenen Strukturen einer Gesellschaft eingebettet. Eine Bildungspolitik kann diese Tatsache nicht ignorieren, vor allem in Bezug auf Menschen mit Migrationshintergrund.

PISA und andere Messverfahren

Dem Konzept der Pluralität entgegen steht der Gedanke der Bildungsstandardisierung. PISA & Co sind aber nicht nur aus diesem Grund zu kritisieren, sondern weil sie bildungspoltische Handlungszwänge kommunizieren. Die Verlässlichkeit von Messverfahren ist je nach Anwendungsfall kritisch zu hinterfragen. Es ist nicht belegt, dass die Ergebnisse solcher Studien signifikante Erkenntnisse liefern. Auch Noten in bestimmten Fächern geben keine verlässliche Auskunft darüber ob ein Schüler in einem bestimmten Beruf erfolgreich sein wird.

Verantwortlich: Ioannis Alexiadis


Neurowissenschaft   Psychologische Grundlagen   Lerngrundlagen  


Literatur:

Gogolin, Ingrid; Krüger-Potratz, Marianne; Meyer, Meinert A (Hrsg.): Pluralität und Bildung. Springer-Verlag, 2013.

Jahnke, Thomas; Meyerhöfer, Wolfram (Hrsg.): PISA & Co: Kritik eines Programms. Hildesheim, Berlin: Franzbecker, 2006.