Messwerte

Aussagekraft, Interpretation und kognitive Verzerrung

Ständig trifft man auf Vergleichs- und Messwerte. Ob in der Schule, in den Nachrichten oder bei der Arbeit; wir werden ständig mit ihnen konfrontiert und sie bestimmen zunehmend unseren Alltag. Was sagen diese eigentlich aus? Kann man ihnen trauen?
Objektivität und Zuverlässigkeit sind absolute Notwendigkeiten wissenschaftlicher Messverfahren. Als Hauptgütekriterien gelten, vor allem bei psychologischen Tests, Objektivität, Reliabilität und Validität. Kognitive Verzerrungen und Nicht-Quantifierbarkeit aufgrund von Komplexität sind allerdings die Haupthindernisse für zuverlässige Messungen. Auch bei der Frage was eigentlich gemessen wird (Validität) ist die Gefahr der Ersetzung einer komplizierten durch eine einfachere Frage gegeben.

Indizes

Was misst ein Index? Können unterschiedliche Einheiten addiert werden? Was sagt der Index dann aus? Viele Indizes besitzen nicht die erforderliche Validität und messen das Falsche. Der Grund hierfür ist die Komplexität des Messobjekts, die ohne die Ersetzung einer schwierigen durch eine einfachere Frage keine Lösung zulassen würde. Ein Besipiel hierfür ist die Messung fragiler Staatlichkeit und deren angeblicher Verbindung zum Demokratisierungsgrad, deren Wirkzusammenhang angezweifelt werden kann.

Produktivität

Aufgrund der Komplexität der Leistungserstellung ist im wahren Leben meist keine Trennung des Leistungsanteils von einzelnen Aktivitäten möglich. Welches Organ trägt um wieviel Prozent zur Lebensfähigkeit bei? Welcher Mitarbeiter Welchen Sinn macht so eine Frage überhaupt? Es existiert keine Methode um Produktivitätsanteile zu messen. Jegliche Produktivitätsmessungen beziehen sich auf aggregierte Werte von Volkswirschaften oder Unternehmen.

Wettbewerbsfähigkeit

Ein häufiger Fehler der heutzutage begangen wird ist es, die relative Größe Wettbewerbsfähigkeit, als absolute Größe zu behanden. Forderungen an einzelne Gruppen oder Länder wettbewerbsfähiger zu werden missachten diese Tatsache und vergessen die Frage zu beantworten, gegenüber wem eigentlich die Wettbewerbsfähigkeit erhöht werden soll? Denn schließlich müsste jemand an Wettbewerbsfähigkiet verlieren, damit ein Anderer wettbewerbsfähiger wird.

Noten

Was messen Noten? Leistung? Intelligenz? Inwieweit lässt das Schlüsse auf das reale Leben zu? Das Problem bei Noten ist deren Charakter als kumulativer Messwert. Es findet keine spezifische Leistungsmessung statt und kognitive Verzerrungen durch Lehrer, sowie fachliche Verzerrungen (Auswendiglernen, keine Messung von Kreativität...) fließen in den Notenschnitt mit ein. Laut einer Studie besteht ein Zusammenhang zwischen Attraktivität und Notendurchschnitt bei Schülern. Auch hier kann die Ersetzung einer komplexen Fragestellung vermutet werden.


Verantwortlich: Ioannis Alexiadis


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Literatur:

Pickel, Susanne; Pickel, Gert: Die Messung von Indizes in der Vergleichenden Politikwissenschaft–methodologische Spitzfindigkeit oder substantielle Notwendigkeit. Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft 6.1, S. 1-17, 2012.

Bethke, Felix S: Zuverlässig invalide–Indizes zur Messung fragiler Staatlichkeit. Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft 6.1, S. 19-37, 2012.

Moldaschl, Manfred: Legitimation durch Verfahren: Warum man beim Messen nicht so genau hinschauen darf. Nr. 4/2010. Chemnitz University of Technology, Faculty of Economics and Business Administration, 2010.

Dunkake, Imke, et al: Schöne Schüler, schöne Noten?/Good Looks, Good Grades? Zeitschrift für Soziologie 41.2, S. 142-161, 2012.