Wissen und Weltanschauung

Der Wissensbegriff: Von der Antike bis in die Gegenwart

Die Debatte über Wissen und wissenschaftliche Erkenntnis war schon immer sehr eng mit der Beziehung zwischen Mensch und Natur verbunden.


Die Natur wurde in der Antike als göttlich gegebene Ordnung aufgefasst. Das Wissen lag in ihr sichtbar und der Mensch war vor seiner Geburt mit der Erkenntnis ausgestattet. Durch den Sündenfall der Geburt verloren die Menschen diese Erkenntnis, da ihre Wahrnehmung nun durch Vorurteile getrübt war.
Das Problem sahen die Philosophen im Menschen selbst. Er musste sich von dieser Erbsünde befreien indem er die Natur beobachtete und seine Vorurteile abbaute. Es herrschte ein ganzheitlicher Ansatz der Naturbetrachtung, der eine von deren Umwelt losgelöste Betrachtung von Gegenständen und Lebewesen verhinderte.


Durch die Aufklärung änderte sich diese Weltanschauung.


Schleier des Nichtwissens

Der Mensch war nun ein rationales Subjekt das in die vormals als gottgegebene, unveränderliche Ordnung, betrachtete Natur eingreifen und diese unter Berücksichtigung von naturgegebenen Regeln, gestalten konnte. Die Natur wurde zu diesem Zweck in einzelne Bestandteile zerlegt und in Kategorien eingeteilt, um daraus Erkenntnisse für eine Optimierung zu gewinnen. Diese Zerlegung und Kategorisierung wurde in der Folge auch auf Menschengruppen angewandt, da sie einen Teil der Natur darstellen und führte letztendlich zur Etablierung der institutionalisierten Wissenschaft. Darin äußerte sich ein Fortschrittsglaube der eine kontinuierliche, positive Entwicklung der menschlichen Gesellschaft sah. Dieser Fortschrittsglaube stellte eine bedingungslose Prognose dar, da er als natürliche Gesetzmäßigkeit aufgefasst wurde.


Als Resultat dieses Glaubens werden bis heute Begriffe wie Nicht-Wissen oder Stillstand negativ aufgefasst, während Begriffe wie Wachstum oder Fortschritt durchweg positiv gesehen werden und sich jeder Kritik entziehen. Selbst wenn Menschen über kein Wissen verfügen, müssen sie das Vorhandensein ihres Wissens kommunizieren bzw. es sich einbilden um in unserer Gesellschaft als glaubwürdig zu gelten. Dies begünstigt das Entstehen von Dogmen und Vorurteilen und kann nur gelöst werden, wenn menschliches Nicht-Wissen akzeptiert und toleriert wird. Wissen ist gesellschaftlich konstruiert und die Illusion einer reinen Rationalität wurde durch Erkenntnisse der Kognitionspsychologie widerlegt, da unser Unterbewusstsein stets an Denkprozessen beteiligt ist.


Verantwortlich: Ioannis Alexiadis


Prognosen   Chaos, Ordnung und Zufall   Geschichtsverständnis  


Literatur

Gloy, Karen: Das Verständnis der Natur. München 1995, Köln, 2005.

Hoßfeld, Heiko: Mythos und Ideologie des wirtschaftlichen Fortschritts. Erkenntnis und Fortschritt: Beiträge aus Personalforschung und Managementpraxis. Festschrift für Albert Martin, 6, 2015.

Taylor, Charles: Quellen des Selbst. Die Entstehung der neuzeitlichen Identität. Frankfurt/M. Suhrkamp, 1994.


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