Geldsystem und Geldschöpfung

Die Funktionsweise der Kreditgeldschöpfung

Viele Menschen glauben Geld sei eine begrenzte Ressource und Banken würden nur das Geld verleihen welches Sparer bei ihr anlegen. Dieser Glaube deckt sich allerdings nicht mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft.

Eine emprische Studie von Werner aus dem Jahr 2014 hat die These, Banken würden Geld aus dem Nichts schöpfen, bestätigt. Natürlich nehmen Banken weiterhin in der Wirtschaft eine wichtige Funktion ein, indem sie Risiken für Privatleute übernehmen. Nichtsdestotrotz sind im Rahmen der Geldschöpfung keine Gegenargumente auffindbar, die dieser Theorie der Geldschöpfung widersprechen.
Anhand folgender Punkte kann die Entstehung von Geld veranschaulicht werden.

  1. Geld ist ein Tauschmedium mit dem äquivalente, reale Werte erworben werden können. Reale Werte unterliegen oft einer natürlichen Knappheit, während das Knappheitskalkül des Geldes variabel ist.
  2. Der Wert des Geldes hängt stark vom Vertrauen ab das ihm entgegengebracht wird.  Im 17. Jahrhundert lagerten Bürger ihr Gold bei den Goldschmieden und erhielten hierfür eine Quittung.  Da diese Quittungen handlicher waren als Gold wurden diese gehandelt, woraus später das Papiergeld entstand. Geld stellt daher  ein Versprechen dar, "ausgeliehene", reale Werte in der Zukunft zurückzuerhalten.  Krisen entstehen wenn das Verhältnis zwischen Geld (Anspruch auf zukünftige Leistungen) und der Realproduktion (begrenzte zeitliche und materielle Ressourcen) zu stark auseinaderdriftet, dies von der Mehrheit der Geldnutzer wahrgenommen wird und das Vertrauen schwindet.
  3. Die Quellen des Geldes für die Privatwirtschaft sind entweder Banken, die Kredite vergeben oder der Staat, der Subventionen und Leistungen verteilt. Der Staat kann der Privatwirtschaft durch Steuern auch Geld entziehen um Inflation zu vermeiden. Der Staat wiederum erhält Geld von Geschäftsbanken und diese von der Zentralbank.
  4. Wie erzeugen Banken Geld? Wenn jemand einen Kredit bei einer Bank aufnimmt, ob Privatperson oder Staat, leiht sich die Geschäftsbank Geld von der Zentralbank. Diese Verbindlichkeiten der Geschäftsbanken werden schlicht und einfach als Guthaben der Kreditnehmer umdefiniert. Dieses "Guthaben" kann als Sicherheit für neue Kredite bei der Zentralbank hinterlegt werden. Dem Bankkunden ist dabei nicht klar, dass dem bereitgestellten Geld keine realen Werte gegenüberstehen. (Es handelt sich stattdessen um ein Versprechen für, einen Glauben an Werterschaffung bzw. Wertsteigerung in der Zukunft.)
  5. Beim Kauf einer Ware entstehen durch die Zahlung Kosten, die Banken versuchen zu minimieren. Die Abwicklung dieser Zahlungen mittels Computer spart Zeit und damit Geld. Der Großteil des heute existierenden Geldes ist daher Giralgeld, d.h. Geld das nur im Computer existiert. Dadurch lässt sich die unter 5. beschriebene Operation leicht durchführen.
  6. Das erzeugte Kreditgeld kann für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden. Es kann produktive Investitionen in neue Produkte und Dienstleistungen finanzieren, aber auch in nicht-produktive Spekulationen auf dem Finanz- und Immobilienmarkt fließen.
  7. Geld muss aus dem Nichts erzeugt werden. Ein Warentausch erfolgt nicht direkt sondern zeitversetzt. Für den Zeitunterschied müssen Zinsen bezahlt werden. Da vorhandenes Geld bereits in Vermögenswerten gebunden ist, muss neues Geld geschöpft werden. Die Frage die sich stellt ist, warum Banken das Geldmonopol haben dürfen? Welche Kompetenz und Legitimation haben sie hierfür?

Mechanismus

Eine Kreditvergabe führt zu einer Bilanzforderung auf der Vermögensseite des Kreditgebers. Verleiht ein Unternehmen ohne Banklizenz (Industrieunternehmen, Broker ...) Geld, müssen diese Forderungen durch andere Vermögenswerte ausgeglichen werden. Hintergrund sind die "Client Money Rules" der "Financial Conduct Authority" (FCA). Diese besagen, dass Kundengelder auf einem separaten Konto verfügbar gemacht werden müssen. Banken werden ausgenommen von dieser Regelung behandelt. Verleiht eine Bank Geld (das sie zu hohen Teilen von der Zentralbank ausleiht) entsteht auch eine Forderung auf der Vermögensseite der Bilanz. Da Kreditnehmer allerdings ihren Kredit auf dem Konto ihrer Bank erhalten, müssen sie nicht durch eigene Vermögenswerte ausgeglichen werden. Stattdessen wird der geliehene Betrag auf der Kapitalseite der Bilanz als Kundenkapital ausgewiesen. Durch diesen Buchungstrick findet eine Bilanzverlängerung statt und neues Geld entsteht ohne einen reellen Gegenwert.

Unternehmen ohne Banklizenz

Vermögen
+1.000.000 €
-1.000.000 €
...

Kapital
...
...
...

Unternehmen verleiht Geld.
Geld muss durch eigene Vermögenswerte ausgeglichen werden.

Geschäftsbanken

Vermögen
+1.000.000 €
...
...

Kapital
+1.000.000 €
...
...

Bank verleiht Geld.
Geld von der Zentralbank wird dem Kunden auf seinem Bankkonto gutgeschrieben.

Konto der Bank bei der Zentralbank

Haben
+1.000.000 €
...
...

Soll
+1.000.000 €
...
...

Bank leiht sich Geld von der Zentralbank.
Bank hinterlegt verliehenes Geld als Sicherheit bei der Zentralbank.

Finanzkrisen und Basel 1 bis 3

Als Reaktion auf vergangene Finanz- und Bankenkrisen wurden die Basler Vereinbarungen (Basel 1: 1988; Basel 2: 2007; Basel 3: 2013) verabschiedet um solche Vorfälle in der Zukunft zu verhindern. Inhalte dieser Maßnahmenpakete waren höhere Eigenkapitalquoten für Kreditinstitute, eine verstärkte Bankenaufsicht und strengere Kreditvergaberegeln.
Diese Beschlüsse verfehlen aber ihr Ziel, da sie nicht auf das Kernproblem der Kreditgeldschöpfung abzielen und den oben beschriebenen Mechanismus nicht in ihre Gedanken einbeziehen.


Verantwortlich: Ioannis Alexiadis


Psychologie des Geldes   Schulden   Zinsen   Knappheit  


Literatur:

Balthazar, Laurent: From Basel 1 to Basel 3: The Integration of State-of-the-Art Risk Modeling in Banking Regulation. Palgrave Macmillan UK, S. 209-213, 2006.

Ravn, Ib: Explaining money creation by commercial banks: Five analogies for public education. real-world economics review, 92, 2015.

Werner, Richard A: A lost century in economics: Three theories of banking and the conclusive evidence. International Review of Financial Analysis, 2015.

Werner, Richard A: How do banks create money, and why can other firms not do the same? An explanation for the coexistence of lending and deposit-taking. International Review of Financial Analysis 36, S. 71-77, 2014.

Werner, Richard A: Can banks individually create money out of nothing?—The theories and the empirical evidence. International Review of Financial Analysis 36, S. 1-19, 2014.

Vivian, Robert W., Spearman, Nicholas: Some Clarity on Banks as Financial Intermediaries and Money'Creators'; ERSA working paper 523, 2015.

Eine Bilanz ist in die beiden Seiten Vermögen, in der die Verwendung von Geldmitteln dokumentiert ist und Kapital, in der deren Herkunft aufgelistet wird, unterteilt. Ein Kredit belastet die Vermögensseite der Bilanz, da Forderungen gegenüber dem Kreditnehmer entstehen. Wird der Kreditbetrag auf einem separaten Konto zur Verfügung gestellt, muss die Forderung durch die Reduzierung von anderen (eigenen) Vermögenswerten ausgeglichen werden. Eine Bank stellt Kreditbeträge auf ihren Konten zur Verfügung, wodurch die Forderungauf der Kapitalseite ausgeglichen wird. Da Banken auf Zentralbankgeld zugreifen können, entsteht bei diesem Prozess Geld "aus dem Nichts".