Wettbewerb: Zwischen Knappheit und Fortschritt

Was ist sinnvoller Wettbewerb?

Ausgangspunkt der Wirtschaft ist stets die natürliche Knappheit von Ressourcen, Produkten und Dienstleistungen. Aufgrund dieser Knappheit müssen effiziente Methoden, Verfahren und Techniken entwickelt werden um die Ressourcen optimal auszuschöpfen, bzw. Produkte und Dienstleistungen effizient zu erstellen. Dabei streben Unternehmen nach mengenmäßigem Wachstum um ihre Marktposition, getrieben vom Wettbewerb, zu verbessern. Während dieses Prozesses verlassen einige Unternehmen den Markt und einzelne Unternehmen erlangen Marktmacht. Mit der Zeit erreicht der Markt seine Sättigung und mengenmäßiges Wachstum ist nicht mehr möglich. Wachstum kann nun nur durch höhere Preise erzielt werden. Durch künstliche Verknappung können die mit Marktmacht ausgestatteten Unternehmen Angebot und Nachfrage manipulieren um höhere Verkaufs- und niedrigere Einkaufspreise zu erzielen. Die Kommunikation von Knappheit rechtfertigt dabei den weiteren Wettbewerb und damit einhergehend die künstliche Verknappung.


Die Fragen die sich hierbei stellen sind folgende:
Wo liegt der Grenznutzen des Wettbewerbs (für die Gesellschaft) bei gesättigten Märkten?
Unter welchen Bedingungen ist Wettbewerb allgemein sinnvoll?

Von Hayek hat die Idee des Wettbewerbs als Entdeckungsverfahren geprägt. Der Wettbewerb dient demnach dazu Tatsachen zu entdecken, die ohne Wettbewerb verborgen bleiben würden. Beispiele sind die Gültigkeit von Ideen, der Sieger von sportlichen Wettbewerben, oder die Qualität von Produkten auf Märkten. Für einen zielgerichteten Wettbewerb müssen allerdings Regeln für die Intensität und Anwendungsgebiete des Wettbewerbs geschaffen werden. Ob durch Wettbewerb neue, wertvolle Tatsachen entdeckt werden, ist situationsbedingt unterschiedlich.


Hier wird klar dass der Nutzen des Wettbewerbs speziellen Bedingungen unterliegt. Auch unumstritten ist, dass der Wettbewerb (soziale und ökologische) Kosten verursacht. Daher ist es wichtig das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Wettbewerbs zu betrachten und nicht einen bedingungslosen, evolutionistischen Wettbewerb zu propagieren.


Evolutionistischer Wettbewerb

Die natürliche Knappheit an Nahrung und der Wettbewerb der Lebewesen um diese knappe Ressource war stets ein Treiber der Evolution. Die Menschheit hat Technologien entwickelt, die diese natürliche Knappheit beseitigt haben, doch tief verwurzelte Vorstellungen in unseren Gesellschaften sorgen durch künstliche Verknappung für eine Aufrechterhaltung eines evolutionistischen Wettbewerbs. Ein paar Gedanken veranschaulichen die Problematik dieser Denkweise:
Was geschieht mit Ideen die einen Wettbewerb verlieren? Sie werden verworfen. Was passiert mit im Wettbewerb unterlegenen Produkten? Sie werden eingestellt. Was sollte mit Menschen geschehen, die im Wettbewerb untergehen? Menschen können nicht einfach wie Dinge behandelt werden. Sie müssen vorher zu Dingen gemacht werden. (zur Verdinglichung von Menschen: siehe Graeber)
Ob in Bildung, Wirtschaft oder Politik: der Wettbewerbsgedanke ist allgegenwärtig in unserer Gesellschaft und sprachlich verankerte Prognosen (wettbewerbsfähig, belastbar, durchsetzungsfähig) sprechen ihm undifferenziert und bedingungslos Geltung zu. Dies führte zu einem Glauben dem sich viele Ideologien bedienen und der als alternativloses, natürliches Gesetz formuliert wird. Er kann wie folgt zusammengefasst werden:

Der Wettbewerb von Menschen bzw. Menschengruppen, der falls nicht durch natürliche Knappheit hervorgerufen, durch künstliche Verknappung begründet wird, ist eine Notwendigkeit um eine fortschrittliche Zielvision zu erreichen bzw. das Überleben der Gemeinschaft zu sichern.

Verantwortlich: Ioannis Alexiadis


Nationalismus   Rassismus   Imperialismus  


Literatur:

Graeber, David: Schulden: die ersten 5000 Jahre. Klett-Cotta, 2012.

Mantzavinos, Chrysostomos: Das institutionenökonomisch-evolutionäre Wettbewerbsleitbild. Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, Bd. 225/2, S. 205-224, 2005.

Pick, Doreèn; Kenning, Peter: Kommunikation von Knappheit im Einzelhandel. PRAXIS 2, 2012.

Schmidtchen, Dieter, Kirstein, Roland: Wettbewerb als Entdeckungsverfahren. ORDO: Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft 54, S. 75-92, 2003.

von Hayek, Friedrich August, et al: Die Theorie komplexer Phänomene. Mohr, 1972.