Liberalismus - Von Zivilisierung, Demokratisierung und Modernisierung

Liberale Ideen von der Aufklärung bis in die Gegenwart

Die Ideologie des Liberalismus betont die Freiheit des Individuums und setzt sich zum Ziel diese zu maximieren. Hieraus entstehen allerdings Zielkonflikte, da die Freiheit des Einen oft zur Unfreiheit von Anderen führt.

Ausgangspunkt des Liberalismus war die Bewegung der Aufklärung.

Aufklärung

Im 18. Jahrhundert formierte sich in Europa eine Bewegung der Kritik von Aberglauben, Vorurteilen, Fanatismus und Schwärmerei (denen viele Aufklärer in unterschiedlichen Ausprägungen allerdings selbst anhangen), auch als Aufklärung bekannt. Um das Aufkommen dieser Bewegung zu verstehen muss der Blick noch früher auf die Geschichte gerichtet werden: Prozesse wie Humanismus oder Reformation lösten einen Machtkampf um die Neuordnung europäischer Gesellschaften aus, die zu zahlreichen Konflikten, wie dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) führten.
Nach dieser Ausgangslage begehrte vor allem das aufstrebende Bürgertum gegen die alte Ordnung aus Monarchie und Kirche auf. Dabei kann man nicht von einer europäischen Aufklärung sprechen, da die einzelnen Aufklärungsbewegungen einen nationalen Charakter einnahmen und sich in den Ländern sehr stark unterschieden. Sie vereinte aber ihre Forderung nach Freiheit, Vernunft und Tugend als auch das enge Verhältnis zur Wissenschaft.
Die Aufklärung endete mit der Französischen Revolution, obwohl diese die Verwirklichung ihrer Ideale ermöglicht hätte. Für ihr Scheitern war maßgeblich, dass die Wirklichkeit nicht kompatibel mit der Weltanschauung der Aufklärung war.

Freiheit, Menschenrechte und Universalismus

Das Problem eines universalen Freiheitsbegriffs, wie ihn der Liberalismus postuliert, ist dass dieser keine anderen Ausprägungen von Freiheit in anderen kulturellen Kontexten duldet. Joseph de Maistre, seinerzeit Gegner der liberalen Ideale während der Aufklärung, war der Auffassung, dass nicht Freiheit und Demokratie sondern das friedliche Zusammenleben der Menschen von Bedeutung ist. Das Aufbrechen gewachsener Ordnungen wäre demnach nur mit Gewalt möglich und würde unvorhersehbare Folgen für den Frieden bedeuten. Dies wirft die Frage nach der Vereinbarkeit von Demokratie, Gerechtigkeit und Frieden auf. Auf die Französische Revolution folgte die Schreckensherrschaft Robespierres und Napoleons Imperialismus. Noch heute werden Freiheit und Menschenrechte dazu genützt um Kriege zu rechtfertigen. Der universalistische Liberalismus sieht sich daher den Fragen ausgesetzt, wie die Unterstützung von Freiheitskämpfern, die für andere Terroristen darstellen, oder ein Demokratisierungs- oder Zivilisierungsauftrag, der an Imperialismus grenzt, legitimiert werden können.

Verantwortlich: Ioannis Alexiadis


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Literatur:

Baumgart-Ochse, Claudia; et al: Auf dem Weg zu Just Peace Governance. Beiträge zum Auftakt des neuen Forschungsprogramms der HSFK, Baden-Baden, 2011.

de Maistre, Joseph Marie: Von der Souveränität: ein Anti-Gesellschaftsvertrag. Kulturverl. Kadmos, 2000.

Gore, Charles: The rise and fall of the Washington Consensus as a paradigm for developing countries. World development 28.5, S. 789-804, 2000.

Eberl, Oliver: Zwischen Zivilisierung und Demokratisierung: Die Exklusion der »Anderen« im liberalen Völkerrecht. Soziale Systeme 14.2, S. 349-369, 2008.

Schneiders, Werner: Das Zeitalter der Aufklärung. C.H. Beck, 2014.