Rückständigkeit war ein Vorwand für europäische Kolonialmächte in andere Länder wirtschaftlich oder militärisch zu intervenieren. Der Fortschrittsglaube knüpfte an die weitverbreitete Vorstellung an, Gesellschaften würden sich kontinuierlich weiterentwickeln und Europäer könnten diese Entwicklung durch Interventionen in rückständige Kulturen beschleunigen.
Christliche Missionierung wurde durch territoriale Expansion von christlichen Ländern erleichtert. Daher benutzen christliche Herrscher ihre Religion als Beweggrund für ihre Eroberungen. Ebenso gab der muslimische Glaube den muslimischen Herrschern während der islamischen Expansion und des Osmanischen Reichs den nötigen Antrieb.
Werte können viele symbolische Bedeutungen haben. Demokratie, Freiheit, Familie, Tradition, Solidarität, Respekt sind nur eine Reihe vieler möglicher Ausprägungen. Eine Verletzung dieser Werte kann als Rechtfertigung für Interventionen jeglicher Art herhalten.
Die Eroberung von neuem Raum für Siedler oder für die wirtschaftliche Ausbeutung, war ein wichtiges Argument für Expansionsentscheidungen.
Der Rassismus legitimierte imperialistische Bemühungen, indem er "minderwertigen" Rassen das Existenzrecht absprach und deren Grund und Boden für die "überlegenen" Rassen verfügbar machte.
   

Imperialismus

Kolonien, Ordnungen, Vergangenheit und Gegenwart

Kolonien erfüllen aus Sicht der Kolonialherren unterschiedliche Zwecke. Stützpunktkolonien dienen wirtschaftlichen oder militärischen Zwecken. Das Militär besetzt strategisch bedeutende Orte zur Absicherung des Handels. Wirtschaftlicher und militärischer Einfluss gehen daher oft Hand in Hand. Siedlungskolonien waren für europäische Länder ein wichtiges Ventil, da durch die hohen Bevölkerungszuwächse ein Bevölkerungsdruck entstand. Siedler betrieben Lnadwirtschaft und vedrängten oft die einheimischen Nomadenvölker. Herrschaftskolonien werden aus Gründen der Prestigesteigerung und wirtschaftlicher Ausbeutung militärisch erobert, während Strafkolonien benutzt wurden um Verurteilte unterzubringen. Eine Kolonie konnte dabei mehrere Funktionen erfüllen.
Siedlungskolonien und Strafkolonien sind mittlerweile obsolet geworden, da kein Bevölkerungsdruck in den Industriestaaten herrscht. Formen von Stützpunktkolonien oder Herrschaftskolonien sind jedoch noch vorhanden bzw. in der Zukunft vorstellbar. Die ökonomischen und diplomatischen Kosten von Herrschaftskolonien sind aber inzwischen so groß geworden, dass diese nur schwer kontrollier- und legitimierbar sind und deren Etablierung zu größeren Konflikten führen kann.

Universale Ordnungen als Triebfeder des Imperialismus

Eine der Triebfedern des Imperialismus waren liberale Ideen wie Aufklärung, Entwicklung oder Fortschritt, die sich auf den Gedanken des Universalismus bezogen. Dieser postuliert die Allgemeingültigkeit einer Idee der sich alle Menschen unterordnen müssen. Sie spricht das Gerechtigkeitsgefühl des Homo Reciprocans an, da ein Verstoß gegen die Ordnung dieser Idee Gewalt legitimiert. Im Christentum war es die göttliche Ordnung, im Rassismus die biologische Ordnung, im Nationalismus die kulturelle Ordnung und im Liberalismus die moralische Ordnung. Dass diese Ordnungen oft willkürlich gewählt waren, keine objektiven Wertkriterien hatten, auf falschen Prognosen beruhten und machtpolitischen Interessen dienten, fiel den meisten Zeitgenossen nicht auf.  Zwangsläufig verfolgte der Universalismus das Ziel der Homogenisierung im Hinblick auf die jeweilige Ordnung und der Erschaffung einer religiös, biologisch, kulturell oder moralisch homogenen Gesellschaft.


Länder die nicht den ökonomischen Entwicklungsstand der westlichen Gesellschaften hatten wurden als rückständig, primitiv und barbarisch betrachtet. Die Kolonialmächte sahen sich moralisch verpflichtet den Fortschritt in diese Länder zu tragen.

Das aktuelle US-Imperium

Es rangen während der Menschheitsgeschichte zahlreiche Imperien um die Vorherrschaft in der Welt. Die Imperien Großbritanniens und Russlands gingen in die Imperien der USA und der Sowjetunion über. Am Ende überlebte nur das US-Imperium, das militärisch und wirtschaftlich momentan keinen ebenbürtigen Konkurrenten auf der Welt hat.
"Aber weder die Produktionskapazität der US-Wirtschaft noch das globale System der US-Militärstützpunkte [...] werden über die Stabilität und Dauer des US-Imperiums entscheiden, sondern die Fähigkeit der USA, die Kapitalströme der Weltwirtschaft zu lenken, den Wert anderer Währungen in Relation zum Dollar zu steuern und durch immer neue Innovationen die Rythmen der Weltwirtschaft zu bestimmen. Die Instrumente hierfür sind die Kontrolle über die Weltbank und den Weltwährungsfonds sowie die Attraktivität amerikanischer Forschungsinstitute und Technologiezentren, die für einen steten Braindrain in die USA sorgt. All dies stellt sicher, dass die Peripherie zahlt und die USA profitieren."
Herfried Münkler, S.87
Aus Sicht des Politologen Herfried Münkler ist ein einheitlicher europäischer Währungsraum eine größere Bedrohung für die amerikanische Vorherrschaft als es der islamistische Terrorismus jemals sein könnte. Da die Europäer aber nur wirtschaftlich und nicht militärisch aufgeholt haben, hätten die USA zwei Möglichkeiten die imperialen Wirtschaftsräume zu beherrschen: Erstens die Spaltung Europas (divide et impera) und zweitens die Einbindung Europas in die Sicherung des imperialen Raumes. Aktuelle Konflikte und Krisen müssen in diesem Zusammenhang gesehen werden.
Die These Francis Fukuyamas, das Ende des Kalten Krieges markiere das Ende der Geschichte, bezieht sich dabei nicht auf das Ende des Imperialismus an sich, sondern auf eine "Pax Americana". Was Befürworter dieser These entgeht, ist die durch diesen Frieden entstehende Fragilität. Konflikte werden nur aufgeschoben und bei Zusammenbruch des Imperiums können sie sich gewaltsam entladen.

Verantwortlich: Ioannis Alexiadis


Nationalismus   Rassismus   Politisch-Militärisch-Industrieller-Komplex  


Literatur:

Fukuyama, Francis: The end of history? The national interest 16, S. 3-18, 1989.

Reinhard, Wolfgang: Kleine Geschichte des Kolonialismus. Stuttgart: Kröner, 1996.

Münkler, Herfried: Imperien: die Logik der Weltherrschaft-vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten. Rowohlt Verlag GmbH, 2005.