Intrigen und Verschwörungen

Der Unterschied zwischen Verschwörungstheorien und Verschwörungsglauben

Eine Verschwörung ist die geheime Zusammenarbeit von mehreren Menschen um ein geheimes, illegales Ziel zu erreichen. Verschwörungstheorien werden undifferenziert verunglimpft, ohne zwischen differenzierten Verschwörungstheorien und Weltverschwörungstheorien zu unterscheiden. Während differenzierte Verschwörungstheorien die Bedrohung der Demokratie befürchten, sehen Weltverschwörungstheorien die Verschwörung als Ist-Zustand an in dem unsere Demokratie nur eine Illusion sei. Weltverschwörungstheorien können daher nicht bewiesen werden. Differenzierte Verschwörungen wurden hingegen in der Vergangenheit bewiesen, in denen in erster Linie Geheimdienste verstrickt waren. Geheimdienste stürzen Regierungen, manipulieren Medien, verüben Anschläge, spähen Bürger aus oder profitieren von der organisierten Kriminalität. Beispiele für einfache Verschwörungen die aufgedeckt wurden sind die Iran-Contra-Affäre, der Tonkin-Zwischenfall, die NSA-Enthüllungen Edward Snowdens oder die Propagande due (P2) Verschwörung.

Prognosemodelle für Verschwörungen

Grimes hat eine Formel für Verschwörungen aufgestellt, die in Abhängigkeit der Anzahl der Mitwisser einen Zeitraum nennt, an dem die Verschwörung spätestens ans Licht kommen müsste. Er gibt dabei selber zu bedenken, dass sein Modell noch durch agentenbasierte Forschung verfeinert werden muss. Problematisch ist vor allem dass wichtige Parameter wie die Qualität der Mitwisserschaft nicht berücksichtigt werden. Außerdem sind individuelle Motive, Mut und Aufopferung für einen Geheimnisverrat notwendig, weil Repressionen drohen. Whistleblower werden verfolgt, ihnen droht Gefängnis und der öffentliche Pranger. Zusätzlich arbeiten derlei Prognosen mit Wahrscheinlichkeiten und Durchschnittswerten und beachten nicht die verschiedenen Arten von Verschwörungen, die nicht alle dem selben Muster folgen. Daher ist ein derartiges Prognosemodell nur für spezielle Fälle brauchbar.

Beispiele für aktuelle Verschwörungstheorien

An dieser Stelle sollen zwei aktuelle Verschwörungstheorien, eine aus den etablierten Medien und eine aus den alternativen Medien, dargestellt werden:

Verschwörungstheorie etablierter Medien

Vladimir Putin will die EU und ihre Mitgliedsstaaten destabilisieren und die Demokratie in Europa abschaffen. Er unterstützt die AfD, den Front National (hat einen Kredit von einer russischen Bank aufgenommen) und andere rechtsextreme Parteien in Europa, um Merkel zu stürzen. Die gleiche Meinung vertritt auch der BND. Russland versucht demnach Fremdenfeindlichkeit oder anti-islamische Ressentiments in der deutschen Bevölkerung zu schüren. Um dieses Ziel zu erreichen bombardieren die Russen Syrien um Flüchtlinge nach Europa zu treiben und die EU noch weiter zu destabilisieren.

Verschwörungstheorie alternativer Medien

Julian Assange behauptet, dass WikiLeaks US-Depeschen vorliegen, nach denen Flüchtlinge als Waffe eingesetzt werden. Demnach gibt es Pläne der Vereinigten Staaten über eine strategische Entvölkerung Syriens, um das Assad-Regime zu schwächen. In diesem Zusammenhang sei auch das Umschwenken der deutschen Bundesregierung in der Flüchtlingsfrage zu sehen. Durch die Aufnahme der Flüchtlinge würde Deutschland den USA bei der Umsetzung der Entvölkerungsstrategie helfen. Gleichzeitig könnte sie damit auch eigene Ziele verfolgen, wie die Ablenkung von anderen Krisen, Erhöhung der Beliebtheit Deutschlands im Ausland, oder die Lösung des angeblichen Demographieproblems und Fachkräftemangels. Diese Strategie wurde angeblich umgesetzt indem die deutsche Kanzlerin durch Pressebotschaften Flüchtlingen suggeriert hat, Deutschland würde sie willkommmen heißen. Außerdem sollen automatisierte Tweets aus dem Ausland diesen Effekt verstärkt und Flüchtlinge nach Deutschland gelockt haben.


Verantwortlich: Ioannis Alexiadis


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Literatur:

Grimes, David Robert: On the Viability of Conspiratorial Beliefs; PloS one 11.1 e0147905, 2016.

Kocks, Alexander: Verschwörungen als Ursache für Demokratiegefährdung. Seminar: Zur Reformfähigkeit des Politischen Systems der Bundesrepublik, Gerhard-Mercator-Universität Duisburg; 2000.