Sicherheit, Kontrolle und Technologie

Kontrolle

Moderne Technologien haben den Menschen durch Knappheitsreduktion neue Freiheiten ermöglicht. Gleichzeitig kann Technik eingesetzt werden um Menschen zu überwachen und zu kontrollieren. Die technischen Kontrollmöglichkeiten erlauben den Zugang zu knappen Gütern selektiv zu beschränken. Der Zugang zu Bildung, Gesundheit oder Arbeitsplätzen kann nach festgelegten Kriterien für bestimmte Gruppen beschränkt werden. Neue Sicherungstechnik kann Grenzen vor Flüchtlingen abschotten. Begründet wird ein derartiger Einsatz von Technologie mit der Sicherung von knappen Ressourcen gegen äußere und innere Bedrohungen. Die Ursache für die Zustimmung eines derartigen Einsatzes von Technik liegt in der Zukunftsangst, die viele Menschen teilen. Wird Menschen bewusst, dass die Zukunft nicht berechenbar ist, entsteht Angst, da die Unsicherheit des Nicht-Wissens dem Weltbild des ständigen Fortschritts widerspricht. Auf diese Weise erhalten Maßnahmen zur Exklusion von Menschengruppen eine breite Zustimmung. Als Datenquelle werden zunehmend Soziale Medien benutzt, da ihr Geschäftsmodell auf das Sammeln von Daten basiert. Die ermöglichen aber nicht nur staatliche Kontrollen, sondern dienen der Überwachung und Kontrolle der Benutzer untereinander. Selbst wenn Bürger momentan viele politische Freiheiten genießen, dürfen sie nicht vergessen, dass technologischer Fortschritt den Aufbau einer Infrastruktur für eine Diktatur orwellschen Ausmaßes ermöglicht.

Sicherheit

Getrieben vom "Kampf gegen den Terror", wird in der Öffentlichkeit ein verstärktes Augenmerk auf Sicherheit gelegt und staatliche Kontrollmethoden werden ausgeweitet. Im Gegensatz zum Kalten Krieg, liegt die Bedrohung nicht mehr in der Gegenwart sondern in der Zukunft. Potentielle Bedrohungen gehen nicht mehr von Staaten aus sondern von Individuen. Durch die fortschreitende Automatisierung, wird nicht nur automatisch überwacht sondern auch kategorisiert.

Welche Algorithmen dabei verwendet werden, welchen Bedingungen die Prognosen zu Grunde liegen oder worauf das angewandte Wissen beruht, bleibt für die Öffentlichkeit geheim. Ob die Ergebnisse dieser Kategorisierung auf Vorurteilen beruhen ist für den einfachen Bürger nicht ersichtlich. Die Gefahr der staatlichen Diskriminierung ist gegeben. Einige Menschen würden sagen: "Ich hab ja nichts zu verbergen." Das spielt keine Rolle, die Interpretation der Daten ist entscheidend. Menschen werden in für sie intransparenter Weise kategorisiert und können sich gegen wahrscheinliche Fehlschlüsse nicht wehren. Dadurch wird der staatlichen Willkür Tür und Tor geöffnet. Besorgniserregend ist die Tatsache, dass Menschen bereits heute auf Grundlage von gesammelten Metadaten (!) getötet werden, ohne dass eine genaue Prüfung ihrer Schuld oder von ihnen ausgehender Gefahr unternommen wird, was Ex-NSA-Chef Michael Hayden offiziell zugab.

Technologischer Fortschritt lässt sich jedoch nicht so einfach zurücksetzen. Die einzige Möglichkeit einen Missbrauch von Technologie zu verhindern, ist die Einstellung zum Wissen in unserer Gesellschaft zu verändern.


Verantwortlich: Ioannis Alexiadis


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Literatur:

Bendrath, Ralf: Der gläserne Bürger und der vorsorgliche Staat: Zum Verhältnis von Überwachung und Sicherheit in der Informationsgesellschaft. kommunikation@ gesellschaft, Jg 8, 2007.

Ferran, Lee: Ex-NSA Chief: 'We Kill People Based on Metadata'. abc news, 12.05.2014.

Leistert, Oliver: Soziale Medien als Technologien der Überwachung und Kontrolle. Handbuch Soziale Medien, 2016.

Markl, Hubert; Neuweiler, Gerhard: Wissenschaft gegen Zukunftsangst. Nature 397.6716, 1999.

Rudd, Timothy: The ideological construction of a new form of digital exclusion: computer science as latin or total deus ex machina? The Journal for Critical Education Policy Studies 11.3, 287-305, 2013.