Medizinische Studien

In den Medien wird oft über die Ergebnisse von medizinischen Studien berichtet, ohne auf die unterschiedlichen Arten von Studien und deren Aussagekraft hinzuweisen. Ein Portal, das eine gute Übersicht bietet ist die Cochrane Library .

Biomarker

Biomarker sind Produkte von Organismen, die als Indikatoren auf eine Krankheit oder auf eine krankheitserregende Wirkung von Substanzen hindeuten. Sie liefern Informationen für Diagnose und Therapie und spielen daher in der Medizin eine wichtige Rolle. Klassische Biomarker sind z.B. Eisen, Fett- oder Aminosäuren. Für die Krankheit Diabetes sind bspw. Glucose, Ketone oder Insulin relevant. Für die Eignung als Biomarker muss Probenmaterial z.B. in Form einer Blutprobe zugänglich sein. Außerdem sind die Genauigkeit der Nachweisverfahren oder die Geschwindigkeit der Tests wichtig. Letztendlich entscheiden die Zulassungsbehörden (EMEA, FDA) welche Biomarker anerkannt werden.

Arten von Studien

Beobachtungsstudien

Beobachtungsstudien oder epidemiologische Studien untersuchen den kausalen Zusammenhang zwischen einzelnen Faktoren, z.B. dem Rauchen und der Erkrankung an Krebs. Bei dieser Art von Untersuchungen können keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen festgestellt werden. Auch kann sich ein kausaler Zusammenhang (Korrelation) rein zufällig ergeben. Nichtsdestotrotz sind derlei Studien notwendig, um vorallem in der Grundlagenforschung mögliche Wirkungsbeziehungen zwischen Einflussfaktoren zu identifizieren.

Experimentelle Studien

Nach bestimmten Kriterien ausgewählte Probanden werden per Zufallsprinzip in Gruppen eingeteilt. Die Ergebnisse der Gruppe die mit einem Medikament behandelt wurde, wird mit einer unbehandelten Kontrollgruppe verglichen.

Placebokontrollierte Doppelblindstudien

Diese Art von Studien, gelten als die zuverlässigsten, da weder der Arzt noch der Proband weiß, ob das zu untersuchende Medikament oder ein Placebo verabreicht wird. Dadurch wird vermieden, dass kognitive Verzerrungen die Ergebnisse der Studie verfälschen.

Metaanalysen

Metaanalysen arbeiten verschiedene Studien zu einem Forschungsthema statistisch auf. Die Qualität der Egebnisse, hängt von der Qualität der untersuchten Studien ab. Daher liefern Metaanalysen über placebokontrollierte Doppelblindstudien die zuverlässigsten Ergebnisse.

Aussagekraft von Studien

John Ioannidis hat in seiner Arbeit festgestellt, dass die meisten medizinischen Forschungsergebnisse falsch sind.
Einzelne Studienergebnisse sind mit höherer Wahrscheinlichkeit falsch...

  • je kleiner der Stichprobenumfang.
  • je kleiner die Effektgröße (Rauchen hat auf Krebs einen großen Effekt; genetische Risikofaktoren bewirken kleine Effekte).
  • je höher die Anzahl und je kleiner die Auswahl der getesteten Beziehungen (Metaanalysen sind mit höherer Wahrscheinlichkeit richtig als neue, experimentelle Studien).
  • je höher die Flexibilität der Forschungsdesigns, Definitionen, Ergebnisse und analytischen Vorgehensweisen in einem Forschungsfeld ist.
  • je stärker Voruteile und finanzielle oder andere Interessen in einem Forschungsfeld vorherrschen.
  • je mehr unabhängige Wissenschaftsteams in einem Forschungsfeld aktiv sind.


Verantwortlich: Ioannis Alexiadis


Prognosen   Chaos, Ordnung und Zufall   Messwerte   Rassismus  


Literatur:

Bracht, Karin: Biomarker Indikatoren für Diagnose und Therapie; Pharmazeutische Zeitung 154.12, 2009.

Ioannidis, John PA: Why most published research findings are false; PLoS Med 2.8, e124, 2005.

Hammer, Gaël P.; du Prel, Jean-Baptist; Blettner, Maria: Vermeidung verzerrter Ergebnisse in Beobachtungsstudien; Deutsches Ärzteblatt 41, 664-668, 2009.

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