Eine kurze Einführung in das Studium der menschlichen Dummheit

von Ioannis Alexiadis

Die menschliche Dummheit wurde von der Literatur bereits einschlägig untersucht und spätestens seit Carlo Cipollas „The Basic Laws of Human Stupidity“ wissen wir, wie eine dumme Person zu definieren ist. Aber wie dumm ist sie eigentlich? Der Stupiditätsquotient ist ein Gegenentwurf zum umstrittenen Intelligenzquotienten und hat man erst einmal seine Erklärungskraft verstanden, bietet er einem eine breite Fülle an Anwendungsfällen an.

Buchveröffentlichung: voraussichtlich Oktober 2021

Carlo Cipollas Prinzipien der menschlichen Dummheit

Der Wirtschaftshistoriker Carlo Cipolla hat aus seinem Studium der Geschichte fünf grundlegende Gesetze menschlicher Dummheit abgeleitet:

  1. Die Anzahl dummer Personen wird in einer Gesellschaft immer unterschätzt.
  2. Die Wahrscheinlichkeit dass eine Person ein Dummkopf ist, ist unabhängig von anderen Charakteristiken dieser Person.
  3. Idioten verursachen Schäden für andere Menschen, ohne selber einen Vorteil daraus ziehen zu können und schädigen sich womöglich dabei selbst.
  4. Intelligente Menschen unterschätzen stets die Gefahr die von Idioten ausgeht.
  5. Eine dumme Person ist die gefährlichste Art von Person. Sie ist gefährlicher als ein Krimineller.

Cipolla definiert eine dumme Person als jemanden der anderen Schaden zufügt, ohne einen eigenen Vorteil daraus ziehen zu können und der sich dabei sogar selbst schadet. In einem Diagramm, das auf der X-Achse den eigenen Schaden/Nutzen und auf der Y-Achse den Schaden/Nutzen anderer durch die Aktionen einer Person darstellt, entstehen vier Quadranten. Die Intelligenten nutzen der Gesellschaft und sich selbst. Zum Beispiel Unternehmer, die ihren Mitmenschen helfen ein Problem zu lösen und dabei selber reich werden. Die Kriminellen sichern sich einen Gewinn, indem sie einer anderen Person Schaden zufügen. Die Hilflosen werden von den Kriminellen ausgenutzt. Sie erleiden einen Schaden, von dem die Kriminellen profitieren. Die Dummen erleiden wie eingangs beschrieben Verluste ohne, dass irgendjemand aus ihren Aktionen einen Gewinn mitnehmen kann. Genau das macht sie unberechenbar und gefährlich.

Der IQ als pseudowissenschaftliches Intelligenzmaß

Der Intelligenzquotient wird von Behörden, Medien und Unternehmen an vielen Stellen bedenkenlos genutzt, ohne seine Sinnhaftigkeit in Frage zu stellen. Jüngst hat Nassim Nicholas Taleb in einem Online-Artikel auf den pseudowissenschaftlichen Charakter des IQs hingewiesen. Der IQ misst nicht die Intelligenz eines Menschen. Er ist ein Maß für mentale Beschränkungen, da er nur bei einem geringen Wert ein relevantes Maß darstellt. Taleb hat IQ-Studien untersucht und massive statistische Mängel festgestellt. Bei hoher IQ-Zahl steigt die Varianz und die Aussagekraft des  Intelligenzquotienten sinkt auf ein Minimum. Doch selbst bei geringem IQ ist dieser als Filter nutzlos, da es andere, einfachere Methoden des Aussiebens gibt, zum Beispiel der Lebenslauf bei der Bewerberauswahl.

Unintelligenz ist keine Dummheit

Dummheit ist nicht das Gegenteil von Intelligenz. Bei einer bestimmten Aufgabe zu scheitern ist einer mangelnden Kompetenz in diesem Bereich geschuldet. Jemand der unintelligent handelt, verursacht mit einer Aktion mehr Schaden, als er Nutzen bringt. Betrachtet man Cipollas Diagramm stellt sie einen Punkt dar. Eine Person kann in einem Aufgabenfeld intelligent sein, während sie in einem anderen komplett versagt.

Dummheit beschreibt etwas völlig anderes. Ein Mensch kann nicht in allen Aufgaben über alle Domänen hinweg fähig sein und wird regelmäßig scheitern. Er lernt aber aus seinem Unvermögen.

Wenn ich nicht intelligent bei einer Aufgabe bin, vermeide ich es als nicht-dummer Mensch diese ohne eine Absicherung durchzuführen. Wenn ich damit bereits gescheitert bin, werde ich vorsichtiger in dem Kontext agieren. Gleiches gilt nicht für einen Dummkopf. Er wiederholt sein gefährliches Verhalten. Dumme Menschen agieren konsistent unintelligent. Ein Idiot besteht darauf etwas zu tun, zu dem er nicht fähig ist und dabei Schäden verursacht, weil er blind gegenüber seiner Unfähigkeit ist oder sie ihm egal ist. Es ist seine Einstellung, die einen Dummkopf charakterisiert und nicht primär seine physischen oder mentalen Fertigkeiten.

Der Stupiditätsquotient

Wenn eine dumme Person konsistent schädliches Verhalten ohne einen eigenen Vorteil an den Tag legt, dann spielt sich ihr Wirken im dritten Quadranten in Cipollas Diagramm ab.

Was mir an Cipollas Grafik gefehlt hat, war ein Maß das die Konsistenz des Dummkopfs einbezieht. Ein Dummkopf wird als Ortsvorsteher des Hundehalterverbands nicht denselben Schaden anrichten, wenn er in die Position des Bundeskanzlers versetzt wird. Dummheit skaliert. Diese Unterschiede in der Größenordnung kann eine Kurve besser abbilden als ein Punkt im Diagramm.

Der Stupiditätsquotient (SQ), wir repräsentieren ihn mit dem Symbol β, drückt das Verhältnis von verursachtem Eigenschaden zu verursachten Fremdschaden aus. Es ist kein hierarchisches Maß, sondern dient der Einteilung von Idioten in Kategorien. Bei kleinem β schadet sich die dumme Person am meisten selbst und Menschen in ihrem näheren Umfeld. Ist β groß tragen andere Menschen den Schaden und der Verursacher kommt eher glimpflich davon.

Die Beziehung sieht folgendermaßen aus:

y = βx + k   

Dabei ist

y: Fremdschaden

x: Eigenschaden

β: Wahrscheinlichkeit dass größerer Schaden durch Verhalten des Idioten eintritt. (Rechnet neben tatsächlichen auch potentielle Schäden mit ein.)

k: Skin-in-the-Game-Barriere, Schaden den der Dummkopf für sich selbst verursacht, bevor der Schaden auf andere übertragen wird (negatives k); bzw. verursachter Fremdschaden, bevor sich die dumme Person selbst schadet (positives k).

Bei positivem x kann laut Gleichung der Dummkopf ein Held werden oder sehr erfolgreich sein. Solche Verläufe sind beim Dummkopf auf reines Glück zurückzuführen und nur kurzfristig realistisch. Auf lange Sicht wird sich das x zwangsläufig in den negativen Bereich bewegen und das y mit sich reißen.

Ein Finanzverwalter, der eine riskante Anlagestrategie wählt, kann kurzfristig durch Glück hohe Gewinne einfahren, aber handelt er langfristig so unbedacht, wird er das Geld seiner Kunden verlieren. Nehmen wir als weiteres Beispiel an, dass ein dummer Krimineller für 100 Euro einen Ladenbesitzer tötet. Kurzfristig ist sein x positiv, langfristig gesehen muss er aber ins Gefängnis und sein x rutscht ins Minus.


Literatur:

Carlo M. Cipolla (2019). The Basic Laws of Human Stupididty. London: WH Allen.

Nassim Nicholas Taleb (2019). IQ is largely a pseudoscientific swindle. Medium.

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1 Kommentare

Josef Reis 5. Juni 2021 - 17:32

Intelligenz ist kaum zu beurteilen. Wenn Wände Risse haben die von der Decke bis zum Betonboden durch den gesamten Querschnitt gehen und auf dem Betonboden eine Dämmung plus ein Estrichbelag ist, wie können Sie da einem Physiker begreiflich machen, dass das Verpressgut für den Riss sich auf dem Betonboden verteilt wenn man den Riss unten nicht abdichtet oder einem Richter begreiflich machen, dass man 97 Schadenbilder nicht per E-Mail an einen Rechtsanwalt senden kann von dem man keinerlei Daten hat und die Datenmenge nicht versandt werden kann? Solche Leute haben doch ihre Posten weil sie besonders intelligent sind!

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