Weltgeschichte

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Die Formierung des türkischen Nationalismus

In Folge der nationalistischen Bewegungen auf dem Balkan verlor das Osmanische Reich fast seine kompletten europäischen Besitztümer. Das Osmanische Reich galt als kranker Mann am Bosporus. Als Reaktion auf diese Entwicklungen entstand die Bewegung der Jungtürken. Sie galten als nationalistische, liberale Reformierer und viele zuvor unterdrückte Minderheiten hatten Hoffnung dass sich ihre Situation bessern würde und die Repressalien der osmanischen Regierung enden würden. Die Jungtürken putschten sich an die Macht und unternahmen den Versuch einen osmanischen Nationalismus zu etablieren, dem alle osmanischen Bürger (auch Christen und Juden) zugehörig sein sollten. Andere, konkurrierende Nationalismen (griechische, armenische, kurdische) verhinderten aber den Erfolg des Osmanismus und die Jungtürken forcierten nun einen türkischen Nationalismus und sahen die christlichen Minderheiten als Elemente an, die dem im Weg standen. Fortan verstärkte sich Diskriminierung, Gewalt und Unterdrückung gegen christliche Minderheiten. Die Vision Enver Pashas panturanischen Reiches führte zur Beteiligung am ersten Weltkrieg und der vernichtenden Niederlage, die mit einer bedingungslosen Kapitulation des Osmanischen Reichs endete. Die Alliierten teilten das Land in Besatzungszonen ein und verhandelten über seine Zukunft. Der Streit zwischen Italien und Griechenland um die Westküste Kleinasiens führte zur Besetzung der Region Smyrna durch griechische Truppen, um die ansässige griechische Bevölkerung zu schützen. Moderate türkische Kräfte wie der osmanische Gouverneur von Smyrna, Rahmi Bey, wurden von den Briten, als stärkster Besatzungsmacht, abgesetzt. Sie zögerten wichtige Entscheidungen hinaus, was Räuberbanden in Anatolien, aufgrund fehlender staatlicher Strukturen, gediehen ließ. Um der Lage im Osten Herr zu werden, beauftragten die Briten den osmanischen General Mustafa Kemal in Anatolien für Ordnung zu sorgen. Stattdessen baute Kemal Widerstandstruppen auf, ging gegen Kurden, Pontos-Griechen und andere Minderheiten vor und besiegte die griechische Armee. Der durch Mustafa Kemal neu ausverhandelte Friedensvertrag von Lausanne, war die Grundlage für die Gründung der Republik Türkei im Jahre 1923 und legitimierte die zuvor begangenen ethnischen Säuberungen. Er ersetze den alten Vertrag von Sèvres, der für die Türkei nur ein vergleichweise kleines Staatsgebiet vorsah. Diese Republik entstand durch einen Krieg gegen innere und äußere Feinde.

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Russisch-britische Rivalität und der Erste Weltkrieg

In der britischen East India Company herrschte im 17. Jahrhundert ein hohes Maß an Korruption. Viele ihrer Mitarbeiter bereicherten sich, letztendlich zu Lasten der britischen Kolonien. Damit sich die Briten teure Waren aus Fernost leisten konnten, mussten die Kolonien dafür in Form erhöhter Abgaben bezahlen. Dies war ein wichtiger Grund für den Aufstand und den Verlust der USA. Nach dieser Erfahrung wollten die Briten nicht, dass ihnen das noch einmal passiert. Sie verstärkten ihre militärische Präsenz in den Kolonien. Im 19. Jahrhundert trat jedoch eine neue Gefahr zu Tage. Das Russische Imperium breitete sich nach Süden aus und bedrohte die britische Kronkolonie Indien. Der russische Ausbau der Eisenbahn in Richtung Zentralasien und China verdrängte den britischen Seehandel und ermöglichte Nachschublinien für Munition und Soldaten bis in die unmittelbare Nähe der britischen Besitztümer in Asien. Allmählich wuchs das Bewusstsein der Briten, dass sie Russland nicht Paroli bieten konnten. Die Strategie der Briten war es nun Russland aus Asien abzulenken, indem es seinen Fokus auf Europa richtete. Sie bemühten sich um ein Bündnissystem bei dem das Deutsche Reich im Mittelpunkt stand: Zum einen hatten die Briten Angst vor einem deutsch-russischen Bündnis. Andererseits bestand nach der Demütigung von Versailles eine hohe französische Rivalität zu Deutschland. Schließlich hatte das Russische Reich Angst vor einer Schließung der Meerenge der Dardanellen und in diesem Zusammenhang war ihnen das deutsche Bündnis mit dem Osmanischen Reich ein Dorn im Auge.
In den europäischen Bevölkerungen herrschte damals weniger Kriegsbegeisterung, sondern eher Angst. Die europäischen Staaten verhielten sich wie "Schlafwandler", die gefangen in einem Bündnissystem auf den entscheidenden Auslöser warteten. Dieser Prozess hatte sich bereits Jahrzehnte zuvor abgezeichnet.

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Hitler-Stalin-Pakt und der Zweite Weltkrieg

Deutschland war in der Zwischenkriegszeit nicht in der Lage seine eigene Bevölkerung mit Lebensmittel zu versorgen, da in der Vergangenheit nötige Investitionen in die Landwirtschaft unterblieben. Es bestand eine hohe Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten aus der Sowjetunion. In der Sowjetunion hatte Stalin das Militär gesäubert und brauchte Zeit um die Rote Armee wieder aufzubauen. Das waren die Gründe für einen Nichtangriffspakt, trotz einer sehr hohen Rivalität der beiden Staaten. Die Nationalsozialisten waren nicht glücklich über ihre Abhängigkeit, brachten den Sowjets wenig Vertrauen entgegen und trafen eine folgenschwere Entscheidung. Sie entschieden sich für einen Angriff auf die Sowjetunion, obwohl ihnen bewusst war, dass dies zu einer erheblichen Nahrungsmittelknappheit und Hungersnot führen würde, die das Leben von Millionen von Menschen gefährden würde. Diese fiel aber fataler aus als angenommen, da die Vorstellungen der Nationalsozialisten bezüglich des Weizenertrags illusorisch waren. Die Sowjets verbrannten bei ihrem Rückzug ihre Felder, damit sie nicht den Deutschen in die Hände fielen, hinzu kamen logistische Probleme. Ab diesem Zeitpunkt stand fest, dass nicht genug Nahrungsmittel für alle Menschen im Herrschaftsgebiet der Nationalsozialisten vorhanden waren und es nun zu entscheiden galt, wer zu den "überschüssigen Essern" gehörte. Die Entscheidung fiel erwartungsgemäß auf die beiden größten Feindbilder Juden und Russen.

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Literatur

Frankopan, Peter: Licht aus dem Osten - Eine neue Geschichte der Welt. Rowohlt, 2016.

Harari, Yuval Noah: Eine kurze Geschichte der Menschheit. DVA, 2013.

Kleinschmidt, Christian: Wirtschaftsgeschichte der Neuzeit. C.H.Beck, 2017.