Ideologien verdrängen

Bekämpfen von Ideologien

Ideologien können nicht erfolgreich bekämpft werden. Die Verneinung einer Ideologie betont gleichzeitig ihre grundlegenden Denkkonzepte. Wer eine Ideologie bekämpft, bedient sich zwangsläufig ihrer Sprache, die bereits vorhandene Assoziationen in den Köpfen der Menschen auslöst. So betonen Rassenquoten zwar die Gleichheit der Rassen aber gleichzeitig auch die Ungleichheit der Menschen. Um Rassenquoten durchzuführen müssen Menschen in Rassen eingeteilt werden. Die Existenz von Rassen wird somit, bestätigt, eie grundlegendes denkkonzept des Rassismus. Auch wenn diese Maßnahmen gut gemeint sind und vergangene Ungerechtigkeiten auszugleichen und aktuelle zu vermeiden versuchen: Sie sind nicht dazu geeignet Rassismus langfristig zu bekämpfen. In dynamischen Systemen kann sich eine Radikalisierung ziemlich schnell vollziehen, wenn die gedankliche Infrastruktur gegeben ist. Gemäßigte können sich schnell in Radikale verwandeln. Beispiele sind in der Geschichte zuhauf vorhanden, von den Jungtürken, dem Marxismus bis zu den Gewalttaten im Namen der Weltreligionen. Einige Eigenschaften von Denkkonzepten sind dabei besonders bedenklich und sollten an dieser Stelle genauer beleuchtet werden.

Universalismus

Universalistische Ideen erheben den Anspruch auf weltweite und uneingeschränkte Geltung. Ein Verstoß gegen diese Ideen wird als ungerecht empfunden und fordert eine Reaktion um den Verstoß zu bestrafen. Selbst positive Ideen wie Menschenrechte oder christliche Nächstenliebe werden problematisch, wenn sie universale Geltung erheben: Universalismus erlaubt im Namen jeder Idee, ungeachtet ihres Inhalts, Gewalt zu legitimieren.

Kommunikation von Knappheit

Ideen kommunizieren Knappheit. Diese Knappheit stellt eine Handlungsaufforderung dar. Nun existieren lokal unterschiedliche, über lange Zeit gewachsene Einstellungen und Wertvorstellungen, die auf die individuellen Identitäts- und Gerechtigkeitsbedürfnisse der Menschen prallen. Menschen kombinieren als Assoziationsmaschinen, diese einzelnen Aspekte zu einem Narrativ, das ihnen die Welt erklärt. Die Handlungsaufforderung einer Idee wird erst in diesem Kontext greifbar. Denkkonzepte

Böse Taten

Psychologische Untersuchungen wie das Milgram-Experiment, haben gezeigt dass sich ein großer Teil der Menschen zu "bösen Taten" verführen lassen, durch den Gehörsam gegenüber einer Autorität oder Mitläufertum. In der Gesellschaft vorhandene Rollen stellen eine Legitimation für böse Taten dar. Sie bauen auf Narrative, die durch persönliche und gemeinsame (mediale) Erfahrungen entstehen, und können leicht auf Menschen übertragen werden. So können Menschen die Verantwortung für ihr Handeln auf ihre Rolle abwälzen, ohne sich damit auseinanderzusetzen. Dieses Phänomen beschrieb Hannah Arendt als "Banalität des Bösen".


Böse Taten

Lösungen durch alternative Denkkonzepte

Möchte man den Schaden den Ideologien anrichten minimieren, hilft es nicht sie zu bekämpfen, sondern sie durch alternative Denkkonzepte zu verdrängen. Eine wichtige Frage hierbei ist, welche Eigenschaften ein solches Denkkonzept haben muss um nicht selber gefährlich zu werden.
  • Kein Anspruch auf universale Geltung.
  • Keine Anknüpfungspunkte zu gefährlichen Ideologien.
  • Keine Kommunikation von Knappheiten aus denen eine Handlungsaufforderung zur Gewalt abgeleitet werden kann.

Verwendete Sprache

Viele Begriffe und Symbole sind durch vergangene Geschehnisse vorbelastet und rufen bestimmte Assoziationen hervor. Daher ist es wichtig auf sein Vokabular zu achten. Eine Umdeutung eines Begriffes oder Symbols ist mit viel Aufwand verbunden und erfodert unter Umständen eine häufige mediale Wiederholungsrate der eigenen Interpretation. Dabei besteht die Frage, ob besonders wirkmächtige Symbole einfach den ideologischen Gegnern überlassen oder diese in Contested Concepts verwandelt werden sollten. Contested Concepts sind abstrakte Begriffe wie Freiheit oder Demokratie, um deren Deutungshoheit gerungen wird.

Die Rolle des Helden

Es resultieren natürlich nicht aus allen Rollen "böse Taten". Neben Rollen, die "neutral" wirken, existiert auch die Rolle des Helden. Zimbardo unterscheidet hierbei zwischen Helden im traditionellen Sinne, die eine Entlohung erhalten, wie Soldaten, Ärzte oder Feuerwehrmänner und Helden die ohne eine Gegenleistung Menschen in Not helfen und dabei für sich selbst Risiken eingehen. Diese selbstlosen Helden gehen Risiken ein, von denen die Gesellschaft profitiert. Sie setzen sich freiwillig einer erhöhten Fragilität aus, damit andere Menschen antifragiler werden.

Heldentum ist erlernbar. Das Projekt heroicimagination.org versucht Alltagshelden zu fördern und zu stärken.


Verantwortlich: Ioannis Alexiadis


Kognitionspsychologie   Der gerechte Krieg   Die Macht der Sprache   Weltbild  


Literatur:

Arendt, Hannah: Eichmann in Jerusalem: ein Bericht von der Banalität des Bösen. Piper Verlag, 2013.

Milgram, Stanley: Behavioral Study of obedience. The Journal of abnormal and social psychology 67.4, 1963.

Taleb, Nassim Nicholas, and Constantine Sandis: The skin in the game heuristic for protection against tail events, 2013.

Wehling, Elisabeth: Politisches Framing. Wie eine Nation sich ihr Denken einredet–und daraus Politik macht. Köln: Herbert von Halem Verlag, 2016.

Zimbardo, Philip: Das Stanford Gefängnis Experiment. Eine Simulationsstudie über die Sozialpsychologie der Haft 3, 2005.

Zimbardo, Philip: Why the world needs heroes. Europe’s Journal of Psychology 7.3, S. 402-407, 2011.